Achtsame Auszeit

Über Erwartungen und die eigenen Ansprüche

Kennst du das: An manchen Tagen gelingt es dir einfach nicht den Fokus zu setzen? Du machst dir To-Do Listen, um dir eine klarere Struktur zu schaffen und dennoch fühlt es sich schwer an? Mir ergeht es gerade so. Der Grund: mein monatlicher Newsletter. Ich schiebe es nun schon einige Tage vor mir her, finde kein Thema, welches mich zum Schreiben motiviert. Mein Anspruch an mich ist hoch. Was ich schreibe soll einen Mehrwert für dich haben.

Ich möchte dich berühren, dich unterstützen, dir Mut machen, dich inspirieren und meine Erfahrungen mit dir teilen.

Doch dann ist da diese Leere, gepaart mit meinem Perfektionsanspruch. Außerdem möchte ich meine Leser nicht ent*täuschen. Hui, was für eine spannungsvolle Dynamik. Auch spüre ich meine eigene Ent*täuschung, darüber das ich nicht weiß, wieviele meinen Newsletter wirklich lesen. Ich selber lese nur einen Bruchteil der Newsletter die ich abonniert habe. Da ist also auch eine Menge EGO im Spiel, welches sich Anerkennung in Form von Rückmeldung wünscht. Erst dachte ich: „Ach, ich mache das mit dem Schreiben doch auch für mich und einfach, weil es mir Freude bereitet“. Pustekuchen. Ich wünsche mir mit meinen Worten gehört zu werden. Ups, welche unangenehme Erkenntnis. In diesem Moment fühlt es sich gar nicht gut an. Nichts von Selbstlosigkeit. Okay: ich atme ein, ich atme aus und nehme meine Gefühle an.

Das monatliche Versende-Datum rückt näher und ich es fühlt sich gerade eng an. Ich kann nicht liefern! Nach einem kurzem Hinein spüren wird mir klar: Ich WILL nicht liefern MÜSSEN. Ich wünsche mir, dass es frei fließt und wenn nichts da ist, ist gerade nichts da. Punkt. Schließlich war es mein Entschluss einen Newsletter zu schreiben. Keiner, außer mir, erwartet es von mir. Was habe ich nun für Optionen? Ehrlichkeit fällt mir spontan ein. Ich möchte ehrlich zu mir und dir sein. Alles andere ist verschwendete Zeit. Also beschließe ich, mir eine achtsame Auszeit in Bezug auf meinen Newsletter zu gönnen. Jetzt, für diesen Moment.

Grundlagen der Achtsamkeitspraxis nach Jon Kabat-Zinn:

1. Nicht beurteilen:
Neutraler Beobachter sein, ggf. das Beurteilen beobachten
2. Geduld:
Wahrnehmen, das alles seine Zeit hat; Das Gegenteil von: erreichen wollen
3. Anfängergeist:
Unvoreingenommenheit; Die Dinge tun, erfahren als wäre es das erste Mal
4. Vertrauen:
Vor allem in die eigene innere Weisheit und darein, dass die nächsten Schritte sich schon zeigen werden.
5. Nicht-Greifen:
Erwartungen loslassen; Das Haben-Wollen wahrnehmen
6. Akzeptanz:
Ja, so ist / Ja, so ist es jetzt / Ja und so ist es jetzt
7. Loslassen:
Veränderung akzeptieren; Schmerz zulassen; Überzeugungen gehen lassen

Gut, es geht für mich um Akzeptanz und Loslassen. Das ist nicht leicht. Da spielen mein EGO und mein Verstand ein turbulentes Spiel mit mir. Stopp, wie war das doch gleich mit den Erwartungen? Keiner außer mir erwartet es von mir. Die meisten von uns haben das Gefühl, dass andere sehr viel von uns erwarten. Doch es liegt nicht außerhalb von mir, sondern ich kann es entscheiden! Das fühlt sich ungewohnt und gleichzeitig gut an. Die Erwartungen anderer, sind die Erwartungen anderer. Du hast die Wahl, wie und ob du dich darauf einlässt. Mache dir deine Erwartungen bewusst und kommuniziere sie ehrlich und am besten im Vorfeld. Mir persönlich gefällt das Wort Bedingungen. Bedingungen kann man äußern und sie sind immer „verhandelbar“ und bedürfen der Zustimmung eines Gegenübers.

Es gibt drei Zustände von Erwartungen
1. So wie erwartet
2. Besser als erwartet
3. Schlechter als erwartet

Meistens ertappe ich mich dabei, dass meine Erwartungen sich nicht erfüllen. Denn oft weicht das Ergebnis von dem ab, was ich mir im Vorfeld vorgestellt habe. Können wir ohne Erwartungen sein? Was meinst du? Oder können wir zwar nicht Erwartungslos sein, doch diese immer wieder auf ihre Wahrheit hin überprüfen? In den allermeisten Fällen laufen meine Vorhaben besser als erwartet. Wenn wir uns dessen bewusst sind, wird es leichter aus dem Gedankenkarussell auszusteigen.

Anhalten
Dann und wann
das Tempo verlangsamen,
anhalten,
in Ruhe wahrnehmen,
was um uns ist,
was schützt,
bedroht, erfreut,
fordert, fördert,
uns neu einstellen und ausrichten.

Dann und wann
das Tempo verlangsamen,
anhalten,
sich hinsetzen
und sich setzen lassen,
was sich in uns bewegt.
Unsere Strukturen wahrnehmen,
sehen, was und wie wir sind.

Dann und wann
das Tempo verlangsamen,
anhalten,
aus der Tiefe Bilder aufsteigen lassen,
dankbar sein und sehen,
was sie zeigen wollen
wohin sie uns weisen.

Max Feigenwinter

Impulsfragen für dich:

  • Wo kannst du dir eine achtsame Auszeit gönnen?
  • Was kannst du von deiner To-Do Liste streichen?
  • Was ist wirklich wichtig?
  • Was bereitet dir Freude?

Ich wünsche dir das achtsame Erspüren deiner Bedürfnisse und Wünsche.

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