Allein geborener Zwilling

Allein geborener Zwilling - Zwei BlumenDu bist nicht allein

Diesen Beitrag widme ich einem persönlichen Thema, welches mich seit einiger Zeit beschäftigt. Es ist das Thema der allein geborenen Zwillinge (Mehrlinge). Schätzungsweise sind an die 20 % aller Schwangerschaften, zu Beginn Mehrlingsschwangerschaften. In den meisten Fällen verläuft dies unbemerkt. Häufig gibt es keinerlei Blutungen, da der verstorbene Zwilling sich auflöst oder einkapselt.

Ungefähr ab der 10. Woche hört der Embryo nicht nur die Stimme der Mutter, sondern auch das Herzklopfen des Geschwisterkindes. Es fühlt die Berührung und die Verbindung zum anderen. Wenn sie älter werden, kommunizieren und spielen sie miteinander. Doch nicht immer kommen beide Zwillinge zur Welt. Einer von beiden beendet die gemeinsame Reise und stirbt – vielleicht weil er zu klein, zu schwach oder nicht lebensfähig ist. Der überlebende Zwilling begreift nicht, was geschehen ist.

Allein geborene Zwillinge erleben vermehrt Gefühle von Einsamkeit, Getrenntheit, Sehnsucht, Eifersucht, Hilflosigkeit oder auch Anzeichen von Selbstsabotage, was das eigene Leben angeht. Beziehungen wollen nicht gelingen, im Beruf klappt es nicht so, wie man möchte und man fühlt sich ruhe- oder gar heimatlos. Oftmals ist der allein geborene unbewusst auf der Suche nach seinem Zwilling im außen. In Beziehungen kann es sich durch das Bedürfnis nach Verschmelzung/Innigkeit äußern – mehr als der Partner zu geben vermag. Einige haben das Gefühl, nur mit halber Kraft zu leben oder für zwei oder drei zu arbeiten. Tiefe, unbegreifliche Schuldgefühle (Überlebensschuld) begleiten manche Menschen, die diese Erfahrung gemacht haben. Es kommt vor, dass allein geborene Zwillinge, Menschen in ihrem Umfeld mit ihrem verstorbenen Zwilling verwechseln. Bei einer Verwechslung versuchen sie unbewusst die Nähe herzustellen, die sie im Mutterleib erlebt haben.

Allein geborene Zwillinge haben häufig Angst vor Trennungen. Manch eine/r geht keine Beziehung ein, aus Angst vor zu viel Nähe. Diese Ängste binden Energie und drosseln die Lebenskraft. In der Forschung unterscheidet man zwischen Flucht- oder Schmelzzwillingen, wobei man auch beide Tendenzen in sich tragen kann. Dies äußert sich in Beziehungen manchmal unter dem Phänomen: „Ich kann nicht mit, aber auch nicht ohne sie/ihn“.

Einige allein geborene Zwillinge erleben ein Gefühl der Abspaltung von ihren Emotionen/ihrem Körper oder haben große Angst „Alles zu fühlen“, aus der Sorge heraus den Schmerz nicht ertragen/überleben zu können. So kann es zu einer Einkapselung der Emotionen kommen und manch einer empfindet sich als „Zombie“ im Leben. Die Sehnsucht nach Lebendigkeit, nach tiefem „Fühlen können“ und Verbundenheit bleibt. Gleichzeitig gibt es vermehrt hinderliche Glaubenssätze wie z.B. „Ich darf nicht glücklich sein“ oder „Das habe ich nicht verdient“. Manche glauben sie seien „schlechte Menschen“ und hätten das Leben, Erfolg, eine Familie, einen Partner nicht verdient. Der Schmerz des Alleinseins ist tief.

»Ich warte … und weiß gar nicht, worauf«

Für Eltern von allein geborenen Zwillingen, ist oftmals nicht erkennbar, was einem Baby fehlt, wenn es viel weint, nicht in den Schlaf findet oder als Kind einen unsichtbaren Freund*in hat. Das energetische Loch, können Eltern nicht füllen. Daher fühlen sie sich häufig hilflos, auch wenn sie alles erdenkliche für das Baby tun. Das bedeutet natürlich nicht, dass hinter diesen Reaktionen eines Kindes, immer eine Zwillings Thematik steckt! Auch leidet nicht jeder allein geborene Zwilling unter der Trennung.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten um herausfinden, ob es dein Thema ist: Zwei davon sind Aufstellungsarbeit oder Kinesiologie. Und manch eine/r spürt es einfach in sich.

Der Weg zur Heilung geht aus meiner Sicht, über das bewusst werden: Der Wunsch sich dem Thema zu öffnen, zu fühlen, was gefühlt werden möchte, zu trauern, was betrauert werden möchte und zu integrieren, was integriert werden möchte. Langsam kann sich so das energetische Loch schließen und es darf heilen. Hierfür braucht es vor allem Zeit und manchmal eine erfahrene Begleitung durch einen Therapeuten oder Coach.

Merkmale allein geborener Zwillinge:

  • Ich fühle mich schnell verantwortlich für das Wohlbefinden anderer.
  • Ich finde meinen Platz im Leben nicht.
  • Mich versteht niemand. Ich bin anders als andere.
  • Ich warte und weiß nicht worauf.
  • Ich fühle mich oft schuldig.
  • Ich habe große Angst verlassen zu werden.
  • Manchmal möchte ich nicht hier sein.
  • Ich fühle mich oft einsam und allein, auch in Gesellschaft oder innerhalb meiner Familie.
  • Irgendetwas fehlt mir im Leben.
  • Ich verdiene es nicht geliebt zu werden.
  • Ich fühle mich innerlich taub.

Es gibt viele Ansätze, die die Zwillingsforschung mit der Hochsensibilität verbinden. Für mich ist dieser Ansatz stimmig, denn Zwillinge sind häufig sehr feinsinnig und verfügen über ausgeprägte Sinneswahrnehmungen. Sie spüren wie es dem anderen gerade geht. Man spricht manchmal von telepathischen Fähigkeiten unter Zwillingen.

Zu dem Thema „Verlorener Zwilling“ gab es im vergangenen Herbst einen sehr informativen Online-Kongress von Ira Hauptmann, mit 30 Interviews von Experten. Das Paket kann man online erwerben.

Es gibt Bilderbücher von Neale Donald Walsh, die ich dir gerne ans Herz legen möchte. Es geht in den Büchern nicht um die Zwillingsthematik, sondern um den Weg der Seele. Ich finde sie berührend und stärkend zugleich.
Ich bin das Licht

Wenn dich das Thema des allein geborenen Zwillings berührt, dann ist es vielleicht auch deines. Es lohnt sich, dem nachzugehen, um Heilung und Integration zu erfahren. Doch entscheide achtsam für dich, wann du bereit bist, dich diesem Thema zu widmen. Das ist sehr wichtig, denn sonst überforderst du dich.

Zum Schluss möchte ich dieses Gedicht von mir mit dir teilen:

Lange suchte ich im außen
nach dem verlorenen Anteil in mir.
Lange suchte ich nach Einheit
und Gleichheit im Anderen.
Lange spürte ich Schmerz und Einsamkeit,
gepaart mit Trauer und Hoffnungslosigkeit.

Erst als ich zuließ, zu sehen was zu sehen war,
zu fühlen was zu fühlen war, zu hören was zu hören war,
konnte ich spüren, was verloren schien.
Erst als ich in die Tiefe sah, erkannte ich das alles
vollständig und niemals ohne dich war.

Heute sehe und spüre ich dich in mir.
Heute weiß ich dich neben mir.
Heute weiß ich, ich bin nicht allein.
Heute weiß ich, wie es ist ganz mit dir bei mir zu sein.

© Alexandra Thoese

Ich wünsche dir von Herzen eine gute Zeit und wenn du eine Frage zu dem Thema hast, kannst du dich gerne bei mir melden.
Deine Alexandra