Alles ist in Bewegung

Das Jahr 2020 ist vergangen. Was für ein Jahr! Niemand wusste, was auf uns zukommt und niemand weiß, wie es weitergeht, denn Pläne sind nahezu unmöglich. Letztlich sind wir aufgefordert, bedingungslos im Hier und Jetzt zu sein und mit dem zu gehen, was sich zeigt. Es gibt Wünsche, Visionen, Vorhersagungen und Ahnungen für die kommende Zeitenwende, doch es bleibt verschwommen. Es ist ein Bewusstseinsraum, der erahnbar ist und noch nicht vollständig betreten werden kann. Viele können ihn spüren und sich vertrauensvoll der Zeitqualität hingeben.

Gelingt es mir selbst? Teilweise schon und gleichzeitig schwimme ich mit im Gezeitenstrom, der aufwühlt und vieles ans Licht bringt. Meine Wahl war und ist es, mich diesem Prozess voll und ganz hinzugeben. Und ja, ich tauche tief. Sehr tief. Manchmal zu tief, finde ich. Dennoch kehre ich stets zurück. Mir kommt gerade das Bild eines Apnoe-Tauchers vor mein inneres Augen. Ohne Sauerstoff geht es hinab und immer tiefer in die Dunkelheit des Ozeans hinunter. Was auch immer sich dort findet, ich bringe es mit an die Oberfläche. Dort darf es gesehen, gefühlt und erinnert werden. Aus diesen Erfahrungen entsteht so mancher Text. Ich tauche ein in den Seelenstrom. Manchmal in meinen eigenen und manchmal in den kollektiven. Was ich fühle, übersetze ich in Worte. Das geschieht bereits während der Reise.

»Wir leben in einer Welt in der uns beigebracht wird zu denken, dass wir Wesen sind, die auch fühlen. Aber eigentlich sind wir fühlende Wesen, die denken.«
Jill Bolte Taylor, Neurowissenschaftlerin

Das vergangene Jahr hat ein Virus die Welt zum Stillstand gebracht. Es hat uns Menschen erschüttert und unser Vertrauen auf die Probe gestellt.

Gleichzeitig hat es uns feinfühliger, offener, demütiger, nachdenklicher, bewusster und dankbarer gemacht. Mich hat es nachhaltig berührt und mich achtsamer werden lassen. Achtsamer in meinen Gedanken, achtsamer in meinen Gewohnheiten, achtsamer in meiner Wahrnehmung, achtsamer in meiner Sprache und in meinem Fühlen. Viele Selbstverständlichkeiten haben sich nahezu aufgelöst. Mein Bewusstsein hat sich gedehnt. So könnte ich es beschreiben.

Diese Zeit hat Vieles in Frage gestellt und Prozesse angestoßen, die sich in Wellen fortführen werden. Wir erinnern uns daran, dass all das, was wir lange lebten, nicht selbstverständlich ist. Nähe, Kontakt, Verbindung und Gemeinschaft bekommen eine größere Bedeutung und einen tieferen Sog. Nichtwissend betreten wir neue Räume und erinnern uns an unsere kreative Schöpfer*innenkraft. Neues wird entstehen.

In Kürze erscheint mein zweiter Band der Seelenpoesie. Das besondere daran ist, dass alle Texte während der Corona Zeit entstanden sind. Im März 2020 fragte ich mich, ob es sinnvoll sei den ersten Band während des Lockdowns zu veröffentlichen. Doch meine Intuition rief sehr laut JA und ich tat es. Im Rückblick würde ich sagen, dass es genau die richtige Zeit für meine Gedichte war. Das spiegelt sich in der weiten Resonanz wider. Für mich persönlich ist das Schreiben meiner Gedichte zu einem liebe- und wertvollen Anker geworden. Es trägt mich durch diese besondere Zeit. Die Zeit des Wandels und der tiefen Gefühle. Es ist mehr denn je an der Zeit, sich mit den eigenen Innenwelten vertraut zu machen und zu fühlen was gefühlt werden möchte.

In Verbundenheit, Alexandra