Das (un)erhörte Kind

Ein vollständiger Erwachsener erwächst aus einem vollständigen Kind.
Es ist nicht erforderlich, das Kind zu zerstören, damit der Erwachsene hervortreten kann.
Wir alle müssen unser inneres Kind finden und heilen, damit wir vollständig werden.

Namua Rahesha

Das unerhörte Kind - Junge mit Cape sitzt auf einem HochhausDas (un)erhörte Kind

Woher ein Wort stammt und wie es im alltäglichen Gebrauch verstanden und genutzt wird, interessiert mich sehr. Der Begriff unerhört stammt aus dem späten Mittelhochdeutsch (1250 – 1350) und bedeutet nie gehört oder auch beispielslos. In unserem Sprachgebrauch, benutzt man dieses Adjektiv häufig als Wertung im Sinne von empörend oder unverschämt.

Mich hat der Titel eine Filmes zu diesem Beitrag inspiriert. Er trägt den Namen: „Eine unerhörte Frau“ und beruht auf einer wahren Begegebenheit. Der Film erzählt die Geschichte einer Mutter, die um das Wohle ihres kranken Kindes kämpft und dafür viele Wege einschlägt. Auf diesem Wege wird sie oft nicht erhört und ernst genommen.

In unserer heutigen Zeit fällt es mir vermehrt auf, dass Kinder nicht gehört werden. Sie geraten bereits früh in die Anpassungsmühlen des Systems. In Kindergruppen und Kindergärten gibt es Frühförderungen jeglicher Art, damit sie zu Beginn der Schulzeit schon mal gut vorbereitet sind. Am besten ist es, wenn sie bereits Buchstaben und Zahlen kennen und vielleicht auch schon ein paar Wörter lesen können. Folgen wir hier den natürlichen Impulsen des Kindes, gelingt es die Freude am Lernen zu erhalten. Doch in den meisten Fällen sieht es anders aus und der Druck beginnt schon früh. Jedes Kind folgt seinen eigenen inneren Impulsen und da nützt es nichts „etwas schneller“ herbeiführen zu wollen. Frustration und Lustlosigkeit können hierdurch leichter entstehen und freudiges Erschaffen, Entdecken und Lernen aus sich selbst heraus, wird meist schon früh im Keime erstickt.

Tu dies nicht, mach das nicht … „sei sittsam, artig und still“

In der Regelschule ist es erwünscht, dass die Kinder vom ersten Tag an still sitzen und dem Lehrer aufmerksam folgen können. Doch was ist, wenn dies nicht gelingt und auch völlig untypisch ist für den kindlichen Neugier-, Entdecker- und Bewegungsdrang? Was ist, wenn Kinder schüchtern, sensibel, ängstlich oder auch unruhig, unkonzentriert und überfordet sind? Dann klafft eine Lücke auf zwischen Wunsch und Realität. Keiner ist darauf vorbereitet. Eltern und Lehrer sind häufig überfordert und ratlos. Doch die Welt hat sich gerade für das Kind komplett verändert und es braucht Zeit, um mit den Neuerungen zurecht zukommen.

Was Schule heute häufig bedeutet: Es gilt bereits früh Ergebnisse zu produzieren, mitzuhalten, sich anzupassen, zu funktionieren und dabei möglichst unauffällig zu sein. Eltern wünschen sich, dass es ihren Kindern in der Schule gut geht. Sie möchten, dass ihre Kinder gerne lernen, gut zurecht kommen und Freunde finden. Den Kindern geht es jedoch häufig in diesem Schulsystem nicht gut und ihre Bedürfnisse und ihr Wesen bleiben unerhört.

Schon in jungen Jahren, werden Kindern vermehrt psychische Störungen zugeschrieben und es wird nach Diagnosen geforscht, damit man das Kind therapieren kann. Doch ich frage mich: Was ist „normal“ und wer legt das fest? Was müssen Kinder können? Was ist wirklich wichtig? Warum geht es nicht um das, was Kinder möchten, wünschen oder können? Warum wird oft in Störungsbildern gedacht? Warum sollen Kinder therapiert werden, um weiterhin in einem veralteten System zu funktionieren?

Immer häufiger höre ich, dass Kinder zur Ergotherapie, zur Logopädie oder zur Psychotherapie gehen. Verstehe mich bitte nicht falsch: Ich verstehe aus eigener Erfahrung sehr gut, wie es als Elternteil ist, wenn es dem eigenen Kind nicht gut geht und es Schwierigkeiten im System hat. Wenn es dann entsprechende empathische Unterstützung gibt, finde ich das großartig und wünschenswert. Vor allem auch für die Eltern oder andere Bezugspersonen. Hier gibt es viele wertvolle Angebote, die dein Kind stärken können, um weiter seinen Weg zu gehen. Doch ich denke eben nicht, dass etwas mit deinem Kind nicht stimmt und das es nicht darum geht, dass es sich anpasst. Es ist das System, welches überholt ist und in dem sich etwas ändern darf und wird.

Was auch immer deinem Kind hilft: Tue es! Mach das! Gehe jeden Weg! Und gleichzeitig: Zweifle bitte nicht an dir. Jedes Kind ist anders und entwickelt sich in seinem eigenen Tempo und auf seine eigene Art und Weise. Es ist vor allem ein gesellschaftliches Problem und eine Wende steht an, doch es geht nur langsam und sanft. Von unten nach oben. Lasse dich nicht entmutigen und folge weiter deinem Gefühl für dein Kind. Du kennst dein Kind am besten.

Dein unerhörtes inneres Kind

Und hier möchte ich den Bogen zu deinem eigenen, inneren Kind spannen. Hast du es schon kennengelernt? Bist du im Kontakt mit ihm? Kannst du es hören und fühlen? Kennst du seine Gefühle, Bedürfnisse und seine Ängste? Wie alt ist es? Kannst du es in deinem Körper spüren? Der Sitz des inneren Kindes, ist dein Bauchraum. Lege einmal die Hände auf deinen Bauch (unterhalb des Nabels) und atme dort ein paar mal tief hinein. Die Verbindung zu deinem inneren Kind, schafft die Verbindung zu deinen Gefühlen und Bedürfnissen. Hier ist der Sitz des Sakralchakras, welches mit der Farbe Orange assoziiert wird und wenn es sprechen könnte, würde es sagen: Ich FÜHLE.

Hier findest du eine ausführlichere Beschreibung des Chakras:
⇒ Sakralchakra

Inneres Kind

Es gibt hierzu viel Literatur und zahlreiche Techniken und Möglichkeiten, um diese Verbindung zu finden, zu nähren und zu stärken. Dein inneres Kind ist ein wichtiger Schlüssel, zu mehr Zufriedenheit und Selbstliebe in deinem Leben. Wenn du spüren kannst, was du brauchst und es dir ermöglichen kannst, dann findest du mehr und mehr in deine Mitte und stärkst dich von innen heraus. In der Verbindung zu deinem inneren Kind, kannst du deine inneren Eltern oder den inneren Erwachsenen kennen lernen. Sie helfen dir, dein inneres Kind zu verstehen, zu ermächtigen, es zu schützen und zu versorgen.

Dadurch kannst du unabhängiger werden und lernst liebevoll und fürsorglich für dich zu sorgen. Dann kannst du dich besser verstehen. Auch Vergangenes wird hierdurch verständlicher und Heilung darf geschehen. Du bist dann sozusagen Familie in einer Person. Natürlich gibt es hier Licht- und Schattenaspekte und mir persönlich gefallen die Begriffe Sonnen- und Schattenkind hierfür sehr. Beide sind in uns und beide sind wichtig für unsere Entwicklung. Sich beiden Aspekten zu widmen, wird dich mehr und mehr in deine Ganzheit und damit in deine Kraft bringen. Höre also unbedingt hin! Dies kannst du am besten über deine Gefühle erwirken, denn sie haben immer eine Botschaft für dich.

Alle Gefühle zu fühlen – das ist der Weg!

Um nun Beides zu vereinen: Das unerhörte Kind ist in dir und auch im Außen. In deinem Kind, in den Kindern der anderen und in den inneren Kindern der anderen Erwachsenen. Dieser Ansatz wird dir helfen, dich und Andere besser zu verstehen. Manchmal stehen sich unsere inneren Kinder einander gegenüber und bekämpfen sich.

„Wenn wir fühlen, sind wir in Kontakt mit uns selbst und der Welt um uns.“
Safi Nidiaye

Ich lade dich nun ein, gerade JETZT in dich hineinzuspüren:
  • Hast du Hunger oder Durst?
  • Bist du müde und wünscht dir etwas Ruhe?
  • Sehnst du dich nach Wärme und Geborgenheit?
  • Wünscht du dir eine nährende Umarmung?
  • Wünscht du dir Verbindung in Form von Kommunikation?
  • Was ist jetzt gerade da?

Und dann erlaube dir es zu tun! Darum geht es. Damit findest du mehr und mehr zu dir selbst und mit der Zeit, wird es dir leichter fallen deine innere Stimme zu hören und ihr zu folgen.

Ich wünsche dir von Herzen eine gute Zeit mit dir selbst und dem Kind in dir.
Es ist nie zu spät, sich auf den Weg der Heilung zu machen.