Eine Reise zu mir

Und wenn ich auf alles eine Antwort hätte — es würde nicht genügen.
Daher ist Stille oft die einzige Antwort, die dein Herz versteht.
Alexandra Thoese

Im Juni bin ich für ein Einzel-Retreat in die Bretagne gereist. Ein Retreat hat unterschiedliche Bedeutungen. Für mich war es eine Zeit der Besinnung, des Abschiednehmens, des Sortierens und der Neuorientierung. Es gab kein festgelegtes Programm, denn wir hatten gemeinsam beschlossen mit dem zu gehen, was sich zeigt.

Es waren dreieinhalb Tage, die ich vor Ort verbracht habe und doch fühlte es sich an wie ein „Ganzes halbes Leben„. Eine sehr berührende Zeit. Es wirkt noch immer nach und als ich heimkam, wurde ich erst einmal krank. Für mich ein deutliches Zeichen dafür, dass ich noch Zeit brauchte um das Erlebte zu erinnern und zu integrieren. Im Vorfeld hatte es bereits angefangen in mir zu arbeiten und die Reise in die Bretagne verlief zäh, denn ich verpasste meinen Anschlussflug in Amsterdam – übrigens meine größte Befürchtung. Dies führte dazu, dass ich von Amsterdam nach Paris fliegen durfte – meine zweite Befürchtung im Vorfeld – um dann weiter nach Brest zu fliegen.

Doch alles verlief ab da ohne weitere Zwischenfälle und ich durfte wieder einmal erkennen, dass die Angst nur im Kopf sitzt. Selbst in einer Stresssituation gelingt es mir einen klaren Kopf zu behalten und mich um das was ansteht zu kümmern. So gesehen gehörte der Weg nach Frankreich schon zu meiner Reise dazu. So kommt es manchmal, wenn wir Pläne schmieden. Eben anders als gedacht.

Als ich mit Verspätung in Brest ankam, wurde ich von meiner Freundin und Retreat-Begleiterin Lilia Christina Martiny abgeholt. Wir fuhren gemeinsam auf die Halbinsel Crozon, wo Lilia seit einem Jahr mit ihrer Familie und ihren Tieren lebt und arbeitet. Gemeinsam bewirtschaften sie einen Hof und teilen sich ihr weitläufiges Anwesen mit einer kleinen Pferdeherde, drei Hunden, einigen Katzen und Hühnern. Das Meer kannst du von beiden Seiten des Hauses aus sehen. Ein traumhafter Ort im alten keltischen Teil der Bretagne. Wahrhaft magisch.

Für mich beinhaltete diese Reise vor allem den Übergang in einen neuen Lebensabschnitt zu würdigen. Unser Sohn hat die 10. Klasse beendet und nach den Ferien geht er auf eine neue Schule. Es waren zehn sehr herausfordernde und turbulente Jahre, denn Schule in dieser Form passte für unseren Sohn von Anfang an nicht. Wir haben in den letzten Jahren viel mit dem System gekämpft, gezweifelt, getobt, diskutiert und viele Tränen geweint. Wir haben viel bewegt und dennoch fühlte es sich oft wie scheitern an.

Doch immer wieder ist da ein starker Wille. Wir bestärken einander, auch wenn es mal hoffnungslos erscheint. Schritt für Schritt findet sich der Weg. So haben wir viele Erfahrungen gesammelt. Als Familie. In tiefer Verbundenheit und vor allem Liebe.

Nun kommt etwas Neues. Nicht wissend was auf uns wartet, gehen wir weiter. Mutig und vor allem gemeinsam. Jeder für sich und dennoch zusammen. Das Leben ist immer für uns, egal wie es sich zeigt – daran glaube ich zutiefst. Auch in den dunklen und stürmischen Zeiten, wenn es uns mehr in die Tiefe zieht. Dort sind die Schätze, die gehoben werden wollen.

Hier findest du ein Gedicht von mir zur Tiefe:
https://www.newslichter.de/poesie-tiefe

Die Pfeiler meines Retreats

Berührung
Die Zeit in der Bretagne hat mich zutiefst berührt. Vor allem der Kontakt zu den Tieren war für mich besonders schön und nährend. Ich erkannte deutlich: Ich liebe es zu berühren und berührt zu werden. Für mich gibt es nichts heilsameres. Ob durch körperliche Berührung, Worte, Bewegung, Musik oder Augen-Blicke.

Kraftplätze
Es gibt diese magischen Orte und Momente, an denen du dich verbindest und Kraft tankst. Die Natur ist voll davon. In meiner Zeit auf der Halbinsel Crozon, habe ich verschiedene Kraftplätze gemeinsam mit Lilia aufgesucht. Hier ist die keltische Kultur noch stark spürbar.

An diesen magischen Plätzen geht es vor allem ums Fühlen, Spüren und einfach Sein.

Weggefährten
Gemeinsam mit Lilia habe ich in diesen Tagen vieles erlebt und geteilt. Es ist so wichtig, dass wir uns erinnern, dass es nicht darum geht alleine durchs Leben zu gehen. Auch wenn wir viele Schritte alleine gehen, so ist es doch ermutigend jemanden an seiner Seite zu haben, der einem Mut zu spricht oder die Hand reicht, wenn man sie braucht. Verbindung ist Heilung. Verbinde dich und lass dich begleiten. Die Zeiten zu kämpfen und alles alleine hinzukriegen sind vorbei. Du musst es nur wollen.

Arbeit mit Tieren
In dem Wirken mit Pferden durfte ich lernen, wie leicht es ist zu führen, wenn ich in meiner Klarheit bin. Die Signale die ich aussende, kommen unmittelbar an. Eine spannende Erfahrung, aus der ich einiges mitnehme. Der Kontakt mit den Hunden war für mich besonders schön. Im Zusammensein mit den Tieren erlebte ich bedingungslose Liebe. Eine wunderschöne Erinnerung, die ich gerne pflege.

Von dieser Reise möchte ich dir folgendes mitgeben:
Gönne dir eine Auszeit und komme immer wieder bei dir an. Mache Pausen im Alltag, ob auf einer Reise, einer Wiese, an einem Baum, auf dem Sofa, in der Badewanne, beim Malen, Singen oder sonst wo. Achte gut auf dich. Es geht um dich. Es ist dein Leben/deine Reise. Nimm dich unbedingt ernst.

Wenn du dir auf deinem Wege eine Begleitung wünscht, bin ich gerne für dich da.

Von Herzen,
Alexandra

Mehr über Lilia und ihre Arbeit findest du hier:
https://www.lilithsfarm.de
https://www.facebook.com/liliachristina.martiny