Hochsensibilität + Hochsensitivität

Man soll niemandes Sensibilität verachten. Eines jeden Sensibilität ist sein Genie.
Charles Baudelaire

Woher stammt der Begriff Hochsensibilität?

Durch die Forschungen der amerikanischen Psychologin Elaine Aron wurde das Thema Hochsensibilität Mitte der 90er Jahre bekannt. Nach ihren Erkenntnissen, tritt die Veranlagung der Hochsensibilität bei 15-20% aller Menschen auf. Im Englischen benutzte E. Aron den Begriff „High Sensitive Person“, der in Deutschland vorerst als hochsensible Person (kurz HSP) übersetzt wurde. Erst später kam es zu der Differenzierung zwischen Hochsensibilität und Hochsensitivität. Elaine Aron geht davon aus, dass die Veranlagung erblich ist. Als hochsensibler Mensch verfügst du über eine sehr feine Wahrnehmung.

Hochsensibiltät bedeutet, dass die fünf körperlichen Sinne feiner ausgeprägt sind als bei anderen Menschen. Man sieht, schmeckt, hört, riecht und fühlt differenzierter und nimmt daher „mehr“ auf und wahr als normal sensible Personen. Die Verarbeitung der Sinnesreize im Nervensystem ist ausführlicher und daher sind die Sinneseindrücke komplexer. Dies führt schnell zu einer Reizüberflutung, da alle Kanäle auf Empfang geschaltet sind und es keinen natürlichen Schutzfilter gibt. Manch hochsensibler Mensch beschreibt es als: »Mit mir stimmt etwas nicht«, »So sollte ich nicht sein« oder »Ich spüre meine Grenzen nicht«. Einerseits verfügt man hierdurch über die Fähigkeit, subtiler Informationen wahrzunehmen und andererseits fühlt man sich schnell davon überrollt und überfordert.

Hochsensitivität beschreibt vor allem übersinnliche Wahrnehmungen. Man spricht hierbei von den sogenannten Hellsinnen: Hellsehen, Hellfühlen, Hellhören, Hellschmecken und Hellriechen. Diese werden umgangssprachlich auch als 6. Sinn bezeichnet. Mit der Hochsensitivität geht eine hohe Empathiefähigkeit einher. Hochsensitive Menschen nehmen die Welt multidimensionaler wahr und fühlen sich oft unverbunden mit ihrem Körper. Ihre Liebe zu allen Lebewesen und der Erde ist groß und sie nehmen die Gewalt, die im Außen stattfindet, stärker als andere Menschen wahr.

Der Begriff Hochsensibilität umfasst beide Aspekte.

  • Sinnes-Sensibilität: Breitere, intensivere, differenzierter Wahrnehmung der Sinne. Stärkeres Gefühl für den eigenen Körper. Schnellere Überreizung von Geräuschen, Gerüchen und Visuellem.
  • Emotionalität: Intensive Emotionalität – in beide Richtungen (positive und negative Emotionen). Weil die Sinneseindrücke stärker sind, hallen diese auch länger nach, bis diese wieder „auf null“ kommen. Hohe Empathiefähigkeit.
  • Leichte Übererregbarkeit: Eindrücke bringen einen schneller in eine neuronale Übererregbarkeit, schnellere Überreizung.
  • Verarbeitungstiefe: Vernetzteres, tieferes, übergreifenderes, verknüpfteres Denken.
Alle 4 Indikatoren müssen laut E. Aron zutreffen, damit man von einer Hochsensibilität sprechen kann.