Teamwork

Unsere einzige Hoffnung: Loslassen, wer wir sein sollten und werden, wer wir sind – unsere eigene Einzigartigkeit und Seltsamkeit zu leben.
Stephen Gilligan

Menschen stehen am StrandDu bist nie alleine

„Das ist doch Unsinn“ wirst du jetzt sagen oder „Oft genug bin ich allein und auch mal einsam“. Meine Aussage bezieht sich in diesem Falle erst einmal auf deine Innenwelt. Mir geht es darum, dich mit deinem Inneren Team vertraut zu machen. Diesen Begriff prägte der Psychologe und Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun. Mit seinem Modell schuf er eine Betrachtungsweise, die es ermöglicht den Aufbau der Persönlichkeit, ihr Sprechen und Handeln besser zu verstehen.

Wenn wir uns unserem inneren Team widmen, erhalten wir Antworten bezüglich verschiedenster Situationen/Fragen aus unserem Inneren heraus. Wir alle tragen viele Aspekte in uns und sicher sind dir ihre Stimmen bereits bekannt. Mal lauter mal leise. Doch stetig vorhanden. Unser Verstand ist niemals still.

Hierzu ein Beispiel: Ein junger Mann möchte nach Beendigung seiner Schulzeit eine Reise ins Ausland machen. Als er diesen Plan das erste Mal in sich bewegt, spürt er Aufregung, Abenteuerlust, Freude und Neugier. Doch nach einiger Zeit machen sich Zweifel in im breit. Innere Stimmen steigen in ihm auf die sagen: „Hast du dir das auch gut überlegt?“, „Woher soll denn das Geld kommen?“, „Das ist doch gefährlich“,„Was, wenn du auf der Reise krank wirst?“ und „Das muss alles ganz genau geplant werden.“ Dies sind Mitspieler aus seinem inneren Team.

In seinem Inneren tobt ein Sturm von Stimmen und Gefühlen so laut, dass die anfängliche Begeisterung für seinen Plan, versiegt und er vorerst Abstand von seinem Vorhaben nimmt.

Wie kannst du dir nun das innere Team vorstellen?

Stelle dir vor, dass in deinem Inneren eine Bühne ist. Auf ihr agieren mehrere Schauspieler, die ein Stück spielen. Jeder hat seine Rolle und gibt alles um das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Da ist die Vernünftige, die fragt: „Hast du dir das auch gut überlegt?“, die Besorgte, die sagt: „Woher soll denn Geld kommen“, die Ängstliche, die sagt: „Das ist doch gefährlich“, die Besorgte/die Mutter, die sagt: „Was, wenn du auf der Reise krank wirst“ und der Kritiker, der zetert „Das muss alles ganz genau geplant werden“. Alle sprechen und agieren laut durcheinander. Es ist ein einziges Chaos auf der Bühne. Der junge Mann kann es nicht mehr sortieren und reagiert mit Resignation ohne zu wissen, wie es dazu gekommen ist.

Was können wir tun?

Man kann man sich dieses innere Team genauer anschauen. Zum einen besteht die Möglichkeit, diese inneren Anteile in einer systemischen Aufstellung mit Personen aufzustellen und einzeln zu befragen, was sie möchten und was ihre gute Absicht ist. Denn das ist es, worum es geht: Die inneren Team Mitglieder möchten unbedingt wahrgenommen und gehört werden. Solange das nicht geschieht, spielen sie nicht mit und für dich, sondern gegen dich. Und sei es noch so unverständlich: Jeder Anteil deines Teams handelt in einer guten Absicht für dich. Wenn wir sie alle zu Wort kommen lassen, kann sich etwas verändern und sie können wieder miteinander agieren, sodass es sich gut für dich anfühlt. Du kannst auf sie reagieren, ihnen Mitgefühl entgegenbringen, sie verstehen und ihnen Lösungsmöglichkeiten anbieten. Dann spielen sie wieder für dich.

Eine andere Möglichkeit kannst du alleine machen. Eine systemische Auslegung. Du schreibst die Protagonisten deines inneren Teams einzeln auf Zettel. Da ist der Kritiker, die Ängstliche, die Besorgte, die Vernünftige und vielleicht noch weitere Stimmen. Benenne sie so, dass es sich für dich stimmig anfühlt. Nun platzierst du diese Zettel auf dem Boden. So wie es dir gerade in den Sinn kommt. Ohne zu überlegen, ganz intuitiv. Du kannst hierfür auch Gegenstände oder Stühle nehmen. Damit machst du das innere Schauspiel sichtbar. Wenn alles im Raum liegt, kannst du schauen, ob du noch etwas verändern möchtest. Wenn es sich stimmig anfühlt, geht es weiter. Du suchst dir eine erste Position aus und stellst dich auf den Zettel.

Hier nimmst du dir Zeit, um in dieser Position anzukommen. Atme ein paar mal bewusst ein und aus, schließe deine Augen und lausche was an Empfindungen, Worten, Lauten, Sätzen, Farben, Bildern o.ä. in dir auftaucht. Den Satz dieses Teammitgliedes, kannst du anfangs noch einmal leise für dich wiederholen. Wenn an dieser Stelle alles gehört wurde, kannst du fragen was die gute Absicht dieses Teammitglieds ist. Du wirst eine Antwort erhalten. Der eine oder andere wird vielleicht auch sagen, was er in dieser Situation/Platz braucht. Am Ende kannst du schauen, ob du an den Positionen der Zettel oder Gegenstände noch etwas verändern möchtest. Oft ergibt sich so ein ganzes neues Bild der Situation.

Unterstützend ist es diese Form einer systemischen Auslegung, mit einer begleitenden Person zu machen, die den Überblick behält und wichtige Dinge aufschreibt.

Nun zu deinem äußeren Team

Auch hier bist du nie alleine. Es gibt um dich herum Menschen, die gerne an deiner Seite sind, dich begleiten oder unterstützen.

Doch in vielen von uns ist einer dieser Glaubenssätze verankert, wie „Ich muss es alleine schaffen“, „Um Hilfe zu bitten, kennzeichnet Schwäche“, „Ich muss stark sein“ u.s.w. Oft haben wir diese Glaubensmuster unbewusst schon aus unserem Familiensystem übernommen. Man spricht von sieben Generationen, die wir in uns tragen. Die gute Nachricht lautet: Wir können sie auflösen und all das was nicht zu uns gehört, ab- oder zurückgeben. Mit systemischer Arbeitsweise ist das möglich.

Schau dich um.
Siehst du, wer an deiner Seite ist?

Wie ist es für dich: Kannst du andere um Hilfe/Unterstützung bitten?

Ganz ehrlich: das ist auch für mich ein Übungsfeld, doch mittlerweile mache ich das ganz bewusst. Sei es, dass ich ganz praktisch jemanden bitte, schwere Sachen für mich zu heben oder meine Mama darum bitte, für uns etwas zu Essen zu kochen. Oder aber ich frage meinen Partner, eine Freundin/Freund, ob sie mir zuhören mag oder mich in den Arm nehmen kann, wenn es mir mal nicht gut geht.

Darüber hinaus buche ich für mein Wohlbefinden oder meine Themen, gerne mal Coaching-Sitzungen, Seminare, Körperbehandlungen, Massagen und ähnliches. Das ist ein Signal an mich, dass ich mich ernst nehme und gut für mich sorge. Das Angebot an ganzheitlichen Unterstützern ist vielfältig.

Wir sind nie alleine.

Inspirationen

1. The Work von Byron Katie:
Deine Glaubenssätze kannst du wunderbar mit The Work untersuchen.

Glaube nicht alles was du denkst.

Mit ihrer Methode The Work entwickelte Katie eine Möglichkeit, um Gedankenmuster und Glaubenssätze auf ihre Wahrheit hin zu überprüfen. Es ist eine sehr einfache und gleichzeitig tief gehende Methode, die es ermöglicht Erkenntnisse zu gewinnen und sich frei davon zu machen, was andere denken oder tun. Da du dein Gegenüber nicht verändern kannst, ist es an dir gut für dich zu sorgen und einen liebevollen Umgang mit dir und anderen zu finden. The Work ist dabei sehr hilfreich.

2. Radikale Erlaubnis von Mike Hellwig:
Eine Inspiration zum Thema innere Anteile, ist der Ansatz, den Mike Hellwig aus verschiedenen Methoden entwickelt hat. Er nennt seine Methode die Radikale Erlaubnis alles zu fühlen. Mich berührt dieser Ansatz, da es dabei darum geht, allen Gefühlen in uns Raum zu geben. Herausfordernd und gleichzeitig heilsam.

Hier findest du ein Interview von Jens Böttcher mit Mike Hellwig:
TIEFSEHTAUCHEN
https://youtu.be/zcEII2VRaSs

Wenn du dir eine Begleitung auf deinem Weg wünscht, bin ich gerne an deiner Seite.
Von Herzen, deine Alexandra